Diabetes


Info:

Auszug aus Wikipedia: Diabetes (griechisch διαβήτης, altgriechische Aussprache diabḗtēs, „die Harnruhr“, von διαβαίνειν, diabaínein für „hindurchgehen“, „hindurchfließen“) steht für

  • Diabetes mellitus (auch Zuckerkrankheit), eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, bei denen die Glukosekonzentration im Blut chronisch erhöht ist; entsprechend:
  • Diabetes insipidus, eine Krankheit, die durch vermehrte Urinausscheidung (Polyurie) und ein gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie) charakterisiert wird
  • Diabetes renalis (auch Diabetes innocens, Diabetes innocuus oder Nierendiabetes), eine Störung der Nierenfunktion, die durch eine konstante Ausscheidung von Glukose im Urin bei nicht erhöhtem Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist
  • Amindiabetes, siehe Cystinose, ein vermehrtes Ausscheiden von Aminen über die Niere
  • Phosphatdiabetes (auch familiäre hypophosphatämische Rachitis, Vitamin-D-resistente Rachitis oder idiopathisches Debré-de-Toni-Fanconi-Syndrom), eine vererbte Störung der Phosphatrückresorption im proximalen Nierentubulus

Beitrag von Bernhard Baumgartner, Mai 2015:

Seit Anfang 2014 führen wir an den Salzburger Landeskliniken (SALK) das Training für die Diabetikerschulung mit smoveys durch. Ziel des Trainings ist es den Diabetikern zu zeigen, dass etwas Bewegung bereits den Blutzucker bei den meisten Patienten senken kann und es sich auszahlt, sich vor allem nach einer Mahlzeit zu bewegen und damit den Bedarf an Medikamenten zu senken.

Ursprünglich gab es keine Bezahlung, da keine Gelder für so ein Training zur Verfügung stehen. Die Bezahlung kam vom Verkauf vom smoveys, was auch ganz gut funktioniert hat. Damit war für beide Seiten viel gewonnen! Die SALK hatte nun einen verlässlichen Partner für die Durchführung des Trainings. Zuvor gab es ein österreichweites Projekt, bei dem Trainer von Sportvereinen das Training durchgeführt hatten in der Hoffnung, die Diabetiker würden sich dann in die Vereine einschreiben und trainieren. Was aber nicht funktioniert hat und bald wieder eingestellt wurde. Durch den Verkauf der smoveys konnte unser Training ausreichend finanziert werden. Dabei war Voraussetzung, dass das Training:

- auf die Zielgruppe abgestimmt war

- dem Leistungsniveau angepasst war

- den Teilnehmern Spaß gemacht hat

- den Blutzucker bei den meisten Teilnehmern senken konnte.


Mittlerweile konnte ein Sponsor für das Training gefunden werden und das Training findet jeden Dienstag um 15 Uhr statt. Ehemalige Teilnehmer der Schulung können gegen einen geringen Beitrag weiterhin am Training teilnehmen oder in einen unserer sportlicheren Kurse oder Fortgeschrittenen Kurse gehen.

Bei einer Gruppe von (neu diagnostizierten) Diabetikern gilt es zu beachten, dass

-die Personen meist bewegungsungewohnt und mit komplizierteren Übungen überfordert sind

-bei Überforderung der Blutzucker nach oben schnellt

-nach dem Training und vor dem Messen unbedingt Wasser getrunken werden sollte

-häufig Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) vorliegen, die die Bewegungsfähigkeit einschränken

-man als Trainer wissen sollte, was ein Typ I und Typ II Diabetes ist

-während des Trainings ein Unterzuckerung auftreten kann, besonders bei Patienten, die neu mit Medikamenten angefangen haben oder noch nicht gut eingestellt sind oder bei Patienten, die Insulin spritzen

-man Traubenzucker mit hat, um bei Unterzuckerung sofort reagieren zu können

-ein Arzt für den Notfall erreichbar sein sollte (in unserem Fall muss; der diensthabende Internist ist angewiesen, auf unseren Hilferuf sofort zu reagieren; also immer Mobiltelefon dabei haben)

Im Laufe der Zeit habe ich nur einmal eine Unterzuckerung erlebt. Da aber war es gut, dass sofort Traubenzucker zur Verfügung stand!

 

Der Ablauf:

In unserem Fall haben die Patienten zu Mittag nach Wunsch gegessen. Vor dem Messen des Blutzuckers werden die Hände gewaschen, da Zucker auf der Haut (z.B. von Süßigkeiten) das Ergebnis verfälschen kann. Der Blutzucker wird bei jedem Patienten gemessen und notiert. Jeder bekommt und paar smoveys und dann gehen wir schon los, ohne Erklärungen und Kommentare. Nach ca 5 Minuten gehen bleiben wir stehen und gehen in den Parallelschwung, wobei wir im Takt leicht in die Knie gehen. Es folgt die Erklärung, was smoveys sind, wer sie erfunden hat und warum, das Prinzip etc. Jetzt kommt der Vergleich mit Nordic Walking, wo man Technik lernen muss, mit smoveys nicht nötig. Nur weniges gilt es zu beachten und die Handhaltung wird korrigiert. Es wird auch darauf geachtet, dass die Patienten aus der Schulter schwingen. Wie erwähnt, fällt das manchen schwer. Jetzt ist daran zu denken, dass etwas Bewegung besser ist als keine. Die Leute sollen zur Bewegung motiviert werden und nicht mit Technik demotiviert. Auch die Brustöffner Übung ist hier gut. Dann gehen wir weiter. Knie heben, dann kleine Schritte und große Armbewegungen. Wir bilden einen Kreis und erklären die physiologischen Grundlagen: die großen Muskeln am Oberschenke und Hintern sind die größten Muskeln und verbrennen am meisten Energie und damit auch Zucker. Daher sollten sie bei jeder Übung mitbewegt werden. Jetzt kommen Übungen zu Mobilisierung der Schultern, des Nackens und des Rückens. Den Wiener Walzer zu singen kommt immer gut, die Leute singen sofort mit! Wir machen gerne die Waage als Gleichgewichtsübung, was immer zu Lachern führt. Jetzt kommt die Erklärung, dass dieses Training die Muskeln, die Faszien, die Koordination, das Gleichgewicht und die Konzentration gleichzeitig trainiert. Ein Augenöffner!

Dann gehen wir zurück. Die Patienten werden aufgefordert, ein Glas Wasser zu trinken. Die meisten schwitzen nämlich mehr, als sie glauben! Dann kommen noch die Lymph-Aktivierung und die „Hab mich Lieb“ Übung und dann ausgiebiges Abrollen. Auch hier ist meist Geduld beim Erklären gefragt und häufiges, höfliches aber bestimmtes Korrigieren! Zuerst nur die Schultern, dann mit 2 smoveys quer zum Rücken. Dann beugt sich der Empfangende vor und wird vom Gebenden mit 4 (bei kleinen Händen3) smoveys abgerollt. Beginnend am Ende der Wirbelsäule –man kann ruhig auch die oberen Pobacken abrollen! Da man sich nicht berührt ist alles im katholischen Bereich und somit erlaubt (kommt immer gut an!). Langsam den Rücken nach oben und retour, dann den Rückenstrecker noch längs abrollen. Wechsel. Dann messen wir noch einmal den Blutzucker.

In ca. 70-80% der Fälle sinkt der Blutzucker deutlich oder sehr stark! Manchmal ändert er sich kaum oder steigt sogar.


Warum der Blutzucker steigt:

- es war zu warm – zu wenig Flüssigkeit getrunken

- Training war zu hart/lang – der Körper stellt vermehrt Energie zur Verfügung

- Person ist untrainiert – der Körper empfindet Stress und setzt sofort Energie frei

- ca 20-25% der Menschen reagieren nicht auf Training. Es ist noch nicht klar, warum das so ist. Gene spielen eine Rolle, aber auch eine nicht-alkoholische Fettleber. Auch wer besonders schlecht auf Insulin anspricht (eine hohe Insulin Resistenz hat), hat schlechte Karten.


Resümee:

Jede Bewegung, besonders wenn sie die großen Muskeln einbezieht, hat einen Effekt und kann den Blutzucker senken. Smoveys haben den großen Vorteil, dass eine große Bandbreite an Übungen ohne Vorkenntnisse durchgeführt werden kann. Zudem macht die Bewegung in der Gruppe extrem Spaß und fast jeder reagiert ausgesprochen positiv auf das Abrollen nach dem leichten Training. Durch den Verkauf der smoveys kann das Training finanziert werden, was für Diabetes Stationen, die notorischen Geldmangel leiden, extrem hilfreich ist.

Derzeit bauen wir eine neue Gruppe an ehemaligen Teilnehmern auf, die weiterhin leichtes Training durchführen wollen. Da wir uns als verlässlicher und dauerhafter Partner erwiesen haben, wurde auch eine finanzielle Stützung gefunden, so dass die Patienten zu einem geringen Preis teilnehmen können (dies ist insoferne interessant, als besonders ärmere Menschen eher zu starkem Übergewicht und Diabetes neigen).

Es macht sehr viel Spaß, den Patienten die Freude an der Bewegung vermitteln zu dürfen und ihen damit auch zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen.


Erfahrungsberichte:

"Tipp: vor dem Sport Blutzucker messen, und dann 30-40 Minuten gemäßigtes Training, smoveyENTSPANNUNG und dann noch einmal messen. Der Blutzucker sinkt bei fast allen! Vorsicht: bei großer Hitze oder zu intensivem Training werden Stresshormone freigesetzt, die zur Bereitstellung von Glukose (dem Zucker im Blut) führen und dann steigt der Blutzucker. Das kann auch passieren, wenn jemand absolut unsportlich ist und die ungewohnte Bewegung den Körper stresst. Das legt sich nach ein paar Wochen Bewegung.

Wir machen das regelmäßig in Diabetiker Schulungen. Noch stehen keine statistisch abgesicherten Daten zur Verfügung. Die Motivation der Teilnehmer, sich zu bewegen, ist sehr hoch und alleine das ist ein Riesenerfolg!"


"Wenn ein Insulinmangel vorliegt, gelangt nicht ausreichend Glukose in die Zellen. Der Blutzucker steigt weil der Körper Fettgewebe abbaut um den Körper zu versorgen. Beim Abbau werden Ketonkörper freigesetzt und dies führt zu einer Übersauerung des Blutes. Jeder Zuckerpat. reagiert anders. Immer Okay vom Doc einholen. Tagesprofil machen und ganz persönlichen Sportplan entwerfen."

 

Weiterer Beitrag von Bernhard Baumgartner:

"Wir halten seit über einem Jahr smovey Trainingsstunden für Diabetiker in unserer Klinik ab. Das läuft so ab, dass die Leute nach dem Mittagessen in die Schulung kommen, dann wird Blutzucker gemessen, 30-40 Minuten gesmoved, dann ein Glas Wasser getrunken, und dann wieder Blutzucker gemessen. Wir haben eine Menge Daten von Patienten und Patientinnen gesammelt. Es war ein wenig Erfahrung nötig, um halbwegs verläßlich die Blutzuckerwerte der meisten Patienten zu senken.
Als erstes: ein Nüchtern Blutzucker (BZ) von 105 liegt in einem guten Bereich. Nicht optimal, aber gut. Wichtig ist zu bedenken, dass der einmal gemessene Blutzuckerspiegel in etwa so viel aussagt, wie die Messung des Benzinstandes in der Benzinleitung. Der Wert, auf den es viel mehr ankommt, ist der HbA1c Wert. Dieser Wert gibt an, wieviel Prozent des Hämoglobins in den roten Blutkörperchen mit Glukose reagiert haben (siehe http://www.netdoktor.de/.../Laborwerte/HbA1c-Wert-10799.html
). Der Wert hat seine Beschränkungen, hat dennoch viel informationsgehalt.
Um die Lage aber richtig einschätzen zu können, macht man einen „oralen Glukose Toleranz Test“ (oGTT). Der Teilnehmer (Patient klingt mir hier zu negativ) bekommt 75 Gramm Glukose in einem Getränk – meist mit Zitrus Geschmack. Vor dem Trinken und danach alle 30 Minuten wird Blut genommen und der Blutzucker- und Insulin Spiegel gemessen. Man erkennt an den Kurven, ob jemand Prä-Diabetiker ist (relativ normaler Blutzucker, erhöhtes Insulin) oder schon Typ 2 Diabetiker (auch der Blutzucker schiesst nach oben weg und erholt sich nur sehr langsam).
Ein weiterer Wert, der sehr hohe Aussagekraft hat, ist der der „HOMA-Index“. Daran kann man ablesen, wie gut das Insulin auf die Gewebe wirkt. Dem Typ 2 Diabetes geht voraus, dass die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin herstellt, es aber an Fett- und Muskelgewebe eine reduzierte Wirkung zeigt. Die Bauchspeicheldrüse muss also mehr Insulin frei setzen, um den Blutzucker zu kontrollieren. Der Blutzucker erscheint normal. Man braucht für die Berechnung des HOMA Wertes den Nüchtern Blutzucker und den Nüchtern Insulin Spiegel. Obwohl der Blutzucker variieren kann, gibt der HOMA Wert sehr gute Informationen über Insulin Sensitivität (alles ok) oder Insulin Resistenz (Abnehmen, mehr bewegen).

Nun zum Sport:
wenn der Körper gewohnt ist, Zucker zu verbrennen, dann macht er das auch sehr gut. Fett wird dann kaum verbrannt. Wenn sich jemand beginnt zu bewegen, dann kommt der Körper erst einmal in Stress und liefert: Zucker! Wenn also der Teilnehmer
bewegungs-ungewohnt sein sollte, und eventuell etwas Übergewicht hat, dann ist es nach meiner Beobachtung völlig normal, dass der Blutzucker beim Sport nach oben schießt! Und das gilt ganz besonders für (bewegungs-ungewohnte) Personen, deren Blutzucker vor dem Sport in einem normalen Bereich liegt.
zudem: das ist ein Prozess, der sich in der Evolution hervorragend bewährt hat! Beim Auslösen einer Fluchtreaktion zB durch eine Schlange oder ein Raubtier kam es darauf an, SOFORT und SCHNELL weg zu kommen! Der Körper benötigt dazu Energie in Form von Zucker, der bei intensiven Belastungen vorzugsweise verbrannt wird (für ganz kurze Spitzenbelastungen gibt es noch eine anders Energiesystem, das mit Phosphaten arbeitet). Erschrickt man, dann werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol freigesetzt. Damit wird Zucker aus den Reserven mobilisiert, der bei einer Fluchtreaktion verbrannt wird. Das System sorgt auch gleich dafür, dass nach der Belastung die Reserven wieder aufgefüllt werden. Das ist auch einer der Gründe, warum Dauerstress ohne körperliche Leistung zu Übergewicht führt. Wenn man nicht erschrickt, aber plötzlich mit Sport beginnt, dann erschrickt der Körper und kommt in metabolischen Stress. Daher steigt der Blutzucker.

Was kann man tun?
-die Ruhe bewahren!
-mit einem Spezialisten reden, der ihre Stoffwechselparameter abklärt und sie gut berät
-eventuell die Intensität des Trainings reduzieren, damit Ihr Körper weniger gestresst ist während des Sports; nach dem Sport Wasser trinken und 5-10 Minuten warten, bevor sie wieder den Blutzucker misst
-Intervalltraining, zB nach dem Aufwärmen eine Minute schneller gehen, eine Minute normal, schnell, normal…5 Wiederholungen. Wenn sie das gut kann, nach 5-10 Minuten Pause eine 2e Serie anhängen. Das stärkt den Kreislauf und fördert die Verbrennung. Prof Froböse berichtet gar, dass damit die Anzahl der Mitochondrien in den Zellen erhöht werden kann.
-da man beim Sport Flüssigkeit verliert, selbst wenn das Leiberl nicht nass geschwitzt ist, soll sie nach dem Sport unbedingt Wasser trinken!
-Gewicht reduzieren
-diverse Mikronährstoffe und Mineralien können etwas helfen. Ausunfernde Versprechungen sind nicht angebracht
-wenn sie sich bisher nicht vorteilhaft ernährt hat, können Präparate durchaus ihren Nutzen zeigen
-für die Blutzuckerkontrolle können Ballaststoffe eine wichtige Rolle spielen, weil sie über die Darmflora zur Freisetzung von Blutzucker senkenden Hormonen führen. Eine ballaststoffreiche Ernährung (Gemüse, Vollkorn, Salate, Obst) liefert Mikronährstoffe und Mineralien und unterstützt das Abnehmen
-ein Überangebot an Antioxidantien wirkt sich negativ auf das Hungerfühl aus (und fördert die Krebsentstehung, die Mechanismen wurden vor kurzem aufgeklärt). Somit könnte auch das Übermaß an Antioxidantien in industriell gefertigten Lebensmitteln oder in Fruchtsäften (nicht in ganzen Früchten) zu Übergewicht beitragen
-Vitamin D könnte helfen. Allerdings kommt die These, dass zugeführtes VitD viel hilft, wieder ins Wanken. Möglicherweise kommt die beobachtete Wirkung daher, dass Menschen, die sich viel bewegen, auch viel in der Sonne sind und daher höhere VitD Spiegel haben. Ursächlich für die bessere Gesundheit sei demnach die Bewegung, der Vitamin D Spiegel sei nur in Indikator dafür. Obwohl l der Vit D Spiegel typischerweise in T2D Patienten niedrig ist, hat die Gabe von VitD bei Diabetikern in Studien enttäuscht. Wenn sie VitD nehmen will, sollte sie den Erfolg nach einem Monat im Serum messen lassen. Eine weitere Vermutung ist nämlich, dass oft zu wenig VitD genommen wird und durch die ungenügende Anhebung des VitD Spiegels der erhoffte Effekt ausbleibt.
-Geduld haben! Wenn die Muskel derzeit den „Stress“ Zucker nicht gut verarbeiten können, dann werden sie in Kürze damit anfangen, wenn Deine Mutter sich weiterhin regelmäßig bewegt.
-auch an Krafttraining denken! Nur mit Krafttraining kann Muskel aufgebaut werden. Ausdauertraining ist ausgezeichnet für das Herz, zum Abnehmen etc., aber Krafttraining ist ein wichtiger Faktor der Prävention, zB gegen Knochenbrüche im Alter, wenn man stürzt."


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